Schüttelreime (linke Spalte) und Ungeschütteltes bis zum Abschütteln. Alle Texte © Wolfgang Heidschuch

Vor Ostern bei Köln


Bis Golgatha war's Kreuz gedacht,
doch ist's schon bei Köln-Deutz gekracht.
Pilatus sprach, mit Mahnen fast:
"Dann trägst du halt 'nen Fahnenmast!"


Zum Muttertag


Ob Mama wirklich tutti mag,
was so passiert am Muttitag?
Ob es das Herz der Mutter fängt,
wenn ihr das Kind das Futter mengt?

Wird es nicht Hohn der Mutter fachen,
wenn Kinder ihr das Futter machen,
die oft wie die Vernarrten hudeln,
mit zähem Fleisch und harten Nudeln?

Ob Liebe sie zum Sprechen bringt,
wenn sie danach zum Brechen springt,
wenn Kochkunst ihr im Rüssel schäumt,
bis sie erschöpft die Schüssel räumt?



Beim freundlichen Henker


Wir wollen doch nicht balgen, Gitte,
nur weil ich dich zum Galgen bitte.
Und mag der Akt auch Längen haben:
wir wollen uns am Hängen laben!
Und wie es auch die Gitte dreht
(die heute schon als Dritte geht):
Man wird sie sanft durch Hiebe lenken,
dann kurz und schnell voll Liebe henken...



R.I.P.


Wir wollen es in Ehren halten,
das Lebenswerk der hehren Alten.
Vielleicht wird sie im Koma alt.
Ach nein, jetzt wird die Oma kalt.
Die Erben hört man trocken sagen:
Soll sie im Sarg halt Socken tragen.

Wer will noch mit der Ollen werben?
Vergrabt sie schnell, wir wollen erben.
Man fragte schon beim Sterbeamt,
woher denn all das Erbe stammt.
Ob ich was von der Alten kasche?
Dann Friede ihrer kalten Asche!